Samstag, 20. September 2014

Forsthaus Finkenborn in Hameln


Mein Vater feierte heute seinen Geburtstag nach und lud die Sippe daher in das Forsthaus Finkenborn in Hameln ein. Das Restaurant liegt recht malerisch auf dem Klüt, einem bewaldeten Berg bei Hameln, von immerhin 258 Metern Höhe. Der Finkenborn kann auf eine über zweihundert jährige Geschichte als Restaurationsbetrieb zurückblicken und ist auch über die Grenzen Hamelns bekannt. Geboten wird gutbürgerlich deutsche Küche, ohne unnötigen Schnickschnack und Tamtam.

Vor einigen Jahren suchte man wohl in der zu dieser Zeit gerade grasierenden "All you can eat Büffet" Hysterie sein Heil. Masse statt Klasse war aber noch nie ein Garant für gastronomischen Erfolg. So litt auch die à la carte Qualität. Ich erinnere mich an einige sehr enttäuschende Besuche rund um die Jahrtausendwende.

Glücklicherweise erkannte man wohl diesen Irrweg als solchen und besann sich wieder auf Qualität. Das heutige Essen war ohne jeden Grund zur Beanstandung. Handwerklich perfekt zubereitet, optisch schlicht, aber trotzdem - oder gerade deshalb - ansprechend präsentiert und auch geschmacklich überzeugend. Ein volles Haus (und es ist kein kleiner Betrieb) und eine große Hochzeitsgesellschaft am Samstag Abend zeugen von großer Kundenakzeptanz. Trotz des immensen Stresses an diesem Abend war das Personal sehr freundlich - von Hektik keine Spur. Die Wartezeiten waren erfreulich kurz, trotz des vollen Hauses und der Tatsache, dass alles frisch war.



Die Spezialität des Hauses ist seit Ewigkeiten der "Jungschweinbraten vom Spieß". Man hat die Wahl zwischen zwei Portionsgrößen (die Kleine macht mit Beilagen schon gut satt) und magerem oder mehr durchwachsenem Fleisch. Serviert wird der Braten dünn aufgeschnitten und mit einer eigens kreierten Gewürzsalzmischung großzügig bestreut (mir scheint, die Hauptzutaten sind Salz, Pfeffer, Majoran und vielleicht Selleriesalz, ganz fein gemahlen). Der Braten kommt mit Kräuterbutter und Zwiebelbrot, alle anderen Zutaten kann man sich aus einem reichhaltigen "Baukasten" selbst auswählen.

Der Jungschweinbraten ist, seitdem ich ihn vor Jahrzehnten kennengelernt habe, konstant lecker und man kann nichts falsch machen, wenn man ihn bestellt. Das Fazit: immer wieder empfehlenswert. 

Auf dem Foto oben ist übrigens die kleine Portion in mager zu sehen, die die Gattin bestellte - und wenn die Holde schon einmal Schweinebraten isst, muss es schon etwas Besonderes sein. 

Die Fotos sind übrigens "unauffällig" mit dem Handy gemacht worden. Ich bitte deshalb die schlechte Bildqualität zu entschuldigen.



Vorweg hatte ich eine kräftige Rinderbrühe mit Einlage. Kräftig ist gar kein Ausdruck. Die Suppe war zwar nicht versalzen aber geschmacklich sehr konzentriert. Das macht mir aber gar nichts. Ich bin ja, wie man vielleicht weiß, Freund klarer Suppen, besonders derer, die nicht nach Wasser schmecken.  



Da ich den Jungschweinbraten zwar lecker finde, in meinem Leben aber schon genug davon gegessen habe, entschied ich mich für ein Steak. In Restaurants mit deutscher Küche sind Steaks für mich der Gradmesser für die Fähigkeiten des Kochs. Kann er ein Steak so perfekt braten, wie es bestellt wurde, genießt er auch mein Vertrauen, was andere Gerichte betrifft. 

Ich entschied mich heute für das dreihundert Gramm Rumpsteak vom Angus Rind, Garstufe: so englisch wie möglich, ohne den Koch zu beleidigen.

Kräuterbutter (in einem essbaren Schälchen), Knoblauchbaguette und eine Art Chilisauce (hätte ich jetzt nicht gebraucht) waren dabei. Als Beilage wählte ich Kroketten und gebratene Pilze mit Zwiebeln.



Wie man sieht, versteht der Koch sein Handwerk. Beim Anschnitt trat auch so gut wie kein Saft aus, das Fleisch hatte also nach dem Garen Zeit zum Ruhen. Normalerweise bevorzuge ich ja leicht marmoriertes Fleisch, da es saftiger bleibt, aber dieses recht magere Rumpsteak war sehr zart und gar nicht trocken. Ein Steak so recht nach meinem Geschmack.



Auch der Biergarten ist schön und lädt (nicht nur) an lauen Abenden zum draußen sitzen ein. 

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